Tromsø – Skibotn – Kilpisjärvi – Karesuvanto – Vittangi – Jockfall – Överkalix – Töre – Luleå

 

Ich bin mittlerweile wieder gut in Köln angekommen, und werde nun die verspäteten Blogs nach und nach hochladen.
Unterwegs war entweder keine Zeit, kein Internet oder keine Motivation 😉

Mitternacht in Tromsø

In Tromsø angekommen sind die meisten der gut betuchten Passagiere in bester Kegelklub Manier vom Boot gestürmt, um ein Mitternachtskonzert zu besuchen. Fritz und ich hatten es nicht eilig, draußen war es kalt und nass. Wir waren noch geschafft von dem anstrengendem Nordkap Abenteuer der letzten 2 Tage. Nachdem wir es zu den Rädern geschafft haben, sind wir ein wenig bedröppelt und ziemlich unmotiviert Richtung Skibotn aufgebrochen und haben noch ca 25 km geschafft, bis wir unsere Zelte in einem sumpfigen Stück neben der Straße aufgestellt haben. Der Boden war so unglaublich weich das man gut ohne Isomatte schlafen hätte können, wenn es nicht so kalt gewesen wäre.Es war der erste richtige Schlaf nach dem Aufstieg zum Nordkap, die Bank im Hafen und das gut gefüllte Schiff waren nicht annähernd so erholsam wie die Nacht im Zelt.

Weicher zelten geht wohl nicht 🙂

Am Morgen waren wir zwar ausgeschlafen, aber natürlich war alles nass und kalt. Fritz hat sich entschlossen noch ein Stück mitzukommen, was meine Laune doch deutlich hob. Wir haben viel über das erlebte gesprochen, immer wieder haben wir uns gegenseitig bestätigt, dass wir es tatsächlich geschafft haben. So richtig realisiert haben wir es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es fühlt sich gar nicht so besonders an, jeder mit genug Zeit und Geld kann das schaffen haben wir uns immer wieder gesagt.

 

 

 

Oscar auf dem Weg zum Nordkap

Die Menschen, die sich nach unserer Route erkundigten, waren immer ziemlich baff und begeistert, manche konnten es gar nicht glauben … je mehr wir darüber gesprochen haben desto mehr wurde uns bewusst, wie viel Ehrgeiz und Willensstärke wir dafür haben aufbringen müssen. Es war gut jemanden zu haben mit dem man all, das erlebte teilen kann. An der Bushaltestelle stand dann auf einmal Oscar vor uns! Oscar ist aus Südschweden und war gerade auf den Lofoten unterwegs, um nun ebenfalls ans Nordkap zu fahren. Oscar war auf Anhieb sympathisch und wir beschlossen noch gemeinsam in einem kleinen Kaffee zu frühstücken und unsere Erfahrungen auszutauschen. Wir haben Kontaktdaten getauscht und werden versuchen uns auf dem Heimweg noch mal zu treffen.

 

 

Morgensport am Fjord

Beflügelt vom Kaffee und neu motiviert haben wir unseren Weg Richtung Finnland fortgesetzt. Die norwegische Landschaft ist einmalig schön und einmalig hügelig 😉 ich hatte gut zu kämpfen, um an der Schweizer Velo Maschine dranzubleiben. Wir haben es tatsächlich an diesem Abend noch nach Finnland geschafft. Wir haben in Kilnisjärvi (ein finnischer Urlaubsort für Norweger) einen Unterstand am See gefunden und konnten mit Lagerfeuer und traumhafter Kulisse die taghelle Nacht verbringen. Unsere Fahrt Richtung schwedischer Grenze war ziemlich hügelig und es ging wieder gefühlt nur geradeaus. Das erste Mal seit Tagen konnten wir wieder in sommerlichen Outfits radeln.

Es wird wieder wärmer! Auf dem Weg zurück nach Finnland.

Auf dem Weg ist mir dann leider irgendwann der Schaltzug gerissen und ich hatte Nur noch ein 50kg 3 Gang Fahrrad um die Hügel hinaufzukriechen. Weil es nirgends einen Schattigen Platz gab und mein Werkzeug ganz unten in der Tasche war verschob ich die Reparatur auf den Abend. Das langsame bergauf und bergab hat mir Zeit gegeben mal ein bisschen zur Ruhe zu kommen und hat tatsächlich gut getan. Kurz nach dem Grenzübergang hab ich dann Fritz getroffen der schon einen Platz vorm Fernseher gefunden hat um das Russische Elfmeterschießen zu sehen.

 

 

 

Geschafft aber glücklich…

In einem Schwarm von Mücken habe ich dann meinen Schaltzug getauscht (zum ersten Mal in meinem Leben) die Instandsetzung der Schaltung war nicht ganz ohne und hat mich bestimmt eine Dreiviertelstunde gekostet, da der Schaltzug natürlich im Griff gerissen ist. Ein bisschen stolz auf meine gelungene Operation haben wir unseren Weg fortgesetzt. Die nächsten Tage vergingen wie im Flug und Fritz hat auf Anraten eines selbst ernannten Fahrrad Profis erneut seine Route geändert und ist tatsächlich noch ein paar Tage mit mir zusammen Richtung Küste gefahren. Die Landschaft war wie immer traumhaft. Über Instagram konnten wir Oscars Nordkap Abenteuer verfolgen und es war schön zu sehen, dass er es ohne Zwischenfälle auf den Felsen geschafft hat.

 

Lagerfeuer mit Bier und Fritz.

Ein bisschen hat es mir auch noch mal vor Augen geführt, dass es doch nicht gewöhnlich ist und man ganz schön, was geleistet hat. Der letzte Abend mit Fritz ist dann ziemlich schnell gekommen. Wir haben gegrillt, uns ein Sixpack Bier genehmigt und den Abend am Fluss bei einem Lagerfeuer ausklingen lassen. Am nächsten Tag sind wir zusammen nach Töre gefahren haben noch gemeinsam gefrühstückt und uns dann nach einer kurzen Zeit auf der e4 (Küstenstraße mit Mini Seitenstreifen und viel Verkehr) an einer Tankstelle verabschiedet. Mir war der Weg zu gefährlich und Fritz musste Kilometer machen, um es rechtzeitig nach Bern zu schaffen. Die ersten Kilometer nach Luleå ohne Begleiter waren komisch.

 

 

Tschüss Fritz! Schön war es mit dir.

Ich war es nicht mehr gewöhnt allein zu fahren und mit Fritz hätte ich einen Super Reisepartner. Wir haben einen ähnlichen Humor und haben wirklich viel Spaß gemeinsam gehabt. Ich bin mir sicher das wir uns noch mal treffen werden.
Die anfängliche Einsamkeit war allerdings einfach zu verdrängen. In Luleå habe ich ja Besuch von Lea, sie fliegt nach dem 60 Geburtstag von ihrem Vater zu mir und verbringt eine ganze Woche gemeinsam mit mir hier!

An dieser Stelle noch mal, alles gute zum Geburtstag lieber Franz!

Der Bus zum Flughafen.

Ich bin mittwochs in Luleå angekommen und hatte also noch Zeit bis Sonntag eine Unterkunft und den Flughafen Transfer zu organisieren. Die ersten 2 Tage habe ich eigentlich nur damit verbracht meine Beine zu erholen. Auch Siegfried und Ralf, zwei Ostsee umrunder sind am Abend noch auf dem Campingplatz angekommen. Ich habe die beiden am Vortag zusammen mit Fritz bei einer Pause kennengelernt. Ralf pflegt einen Blog, den ich gerne lese. So habe ich dann am Abend noch ein wenig Gesellschaft gehabt. Ich habe viel über das erlebte nachgedacht und muss sagen das es die beste Entscheidung seit Langem war diese Tour zu machen.

Siegfried und Ralf, auf dem Weg um die Ostsee.

Ich bin viel gelassener geworden und habe einiges über mich gelernt 😉 nachdem ich ein wenig zur Ruhe gekommen bin, habe ich den Weg zum Flughafen ausgekundschaftet, einen Strand gesucht und eine kleine Hütte reserviert. Die Zeit bis Sonntag ist dann auch schnell rumgegangen und ich war natürlich in voller Vorfreude 2 Stunden zu früh am Flughafen um Lea in Empfang zu nehmen. Die Tage mit Lea sind wie ich es erwartet habe wunderschön! Wie haben Lea ein Fahrrad geliehen, sind viel am Strand kochen und Grillen gemeinsam im Freien und genießen die gemeinsame Zeit.
Ich glaube das der Besuch mir die nötige Kraft und Motivation gibt, um die restlichen 2400 Kilometer zu schaffen. Im Moment denke ich darüber nach direkt nach Köln durchzufahren.

Da ich mit dem Bloggen nicht hinterherkomme, ist ab hier ein kleiner Zeitsprung!

Zelten auf der Insel

Lea oder wie sie ab jetzt geschrieben wird Leå ist inzwischen wieder abgereist. Die Woche mit ihr war viel zu kurz und hat unglaublich gut getan! Wir haben viel draußen gekocht, am Strand gelegen die Natur genossen, Karten gespielt und sogar Kajaks geliehen, um auf einer Insel an einem einsamen Strand zu zelten. Der Abschied von Leå ist mir unglaublich schwergefallen und ich kann es nicht erwarten endlich nach Hause zu kommen. Als ihr Flieger am Sonntag (15.7) um 16 Uhr gestartet ist habe ich in die Pedale getreten und bin bis 02:00 durchgefahren. Ca. 150 km hab ich noch auf den Tacho gebracht.

Kajak Abenteuer.

Ich habe leå mit meinem gepackten Rad zum Flughafen gebracht, um nicht noch mal zum Campingplatz zurück zu müssen. Das hätte mich nur noch trauriger gemacht. Die körperliche Anstrengung hat mich gut abgelenkt. Als dann auf einer kleinen Schotterstraße noch eine Elchkuh mit ihrem Kalb 5 Meter vor mir die Straße querte, war mein Abend perfekt. Ich hab mich tierisch erschrocken, weil ich mich davor eh schon ein wenig gegruselt habe. Zuerst dachte ich, ein Bär springt aus dem Gebüsch und mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Noch in dieser Nacht habe ich entschieden einen Teil mit Bus und Bahn zurückzulegen. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, weil ich doch alles mit dem Fahrrad fahren wollte …

 

Bernd das Eichhörnchen vom Zeltplatz.

in der Hauptsache sollte es aber doch Spaß machen und was nützt es da, wenn ich mich noch 1500 Kilometer durch Schweden quäle. Mein Plan ist bis Uppsala oder Stockholm mit Bus und Bahn zu fahren, was in Schweden auch ein Abenteuer ist, weil so gut wie niemand Fahrräder mitnimmt. Dann habe ich noch ca. 500 Zeit mich von Schweden zu verabschieden. Ich werde früher in Köln sein und freue mich riesig darauf meine Freunde wiederzusehen und vor dem Studium noch ein wenig den Kölner Sommer zusammen zu genießen. Außerdem ist Daniel in Köln, seit er in Wien Medizin studiert, sehen wir uns viel zu selten! Alles gute Gründe so schnell wie möglich nach Hause zu kommen.

Fritz Blog: http://fritztouri.blogspot.com

Ralfs Blog: https://radostsee.blogspot.com

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