
Am frühen Morgen sind wir in Riga gestartet, hoch motiviert und bei bestem Wetter ging es erneut Richtung Küste. Anfangs waren wir noch auf gut ausgebauten Fahrradwegen unterwegs, was sich leider bald geändert hat. Wir mussten mangels Alternativen die A1 (Bundesstraße) an der Küste fahren. Es gab einen schmalen Seitenstreifen und jede Menge Verkehr.

Die Aussicht am Meer zu Zelten hat uns geholfen voranzukommen und wir haben den Verkehr besser ertragen. Wir haben uns mit schlechter Musik bei Laune gehalten und mehr Pausen gemacht, als sonst da uns die Nacht vor Riga uns doch ganz schön geschafft hat. Am Abend wurden wir durch Zufall noch mit dem bis jetzt schönsten Zeltplatz belohnt. Direkt am Meer, wenig besucht und mit eigener Feuerstelle.

An diesem Abend haben wir noch Lou und Anouk kennengelernt, die ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die beiden Schwestern sind in Berlin gestartet und fahren an der Küste in die gleiche Richtung wie wir. Sie waren auf den ersten Blick sympathisch und so haben wir am Nächsten morgen beschlossen gemeinsam ein Stück zu fahren. Angespornt von unserer Morgen Motivations Playlist sind wir am Nächsten Tag die A1 runtergeballert. Es war aufbauend und erfrischend mit den beiden. Ich hatte das Gefühl ,wir pushen uns gegenseitig zu neuen Höchstleistungen und haben dabei noch eine Menge Spaß. Wir haben es auch nicht geschafft die beiden mit der Markus \ Felix Dynamik zu verscheuchen und unsere Musik schien den beiden auch zu gefallen.

Vielleicht waren wir aber auch nur so schnell, weil die beiden uns davon fahren wollten … wir werden es wohl nie herausfinden. Abends haben wir uns gemeinsam einen Campingplatz gesucht, zusammen gekocht und eine runde Stadt Land Fluss gespielt. Wir haben die beiden natürlich gewinnen lassen.
Nachdem wir auf einem einsamen Campingplatz genächtigt haben, sind wir zu viert mit der wohl höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit der Tour nach Pärnu gerast um das Wohl nahrhafteste Frühstück, welches man haben kann, bei Hesburger zu uns zu nehmen.

Nach 2 runden Mau Mau mussten wir Abschied nehmen von unseren Kilometerabschnittspartnerinen da Anouk und Lou weiter an der Küste fahren wollten, während es uns Nordwerts nach Tallinn zog. An Markus Fahrrad (Panzer) ist die Trennung leider nicht Spurlos vorüber gegangen. Es gab einen emotionalen Belastungsbruch an der Gepäckträgerbefestigung am Rahmen. Sichtlich mitgenommen aber von Markus geübter Hand repariert Konnte der Panzer (Markus Fahrrad) seinen Weg Richtung Norden fortsetzen.

Die Stimmung von Markus und mir war ein wenig getrübt, wir haben ein gutes Team gebildet und es war nicht einfach sich zu neuen Höchstleistungen zu motivieren. Das Wetter war bombastisch und wir hatten noch keine Ahnung, wo wir schlafen werden und wie weit wir kommen. Nach ca. 85 Kilometern war die Luft raus und wir haben rast an einem kleinen Feldweg gemacht. Campingplätze gab es keine in erreichbarer Nähe und wir haben angefangen uns zu beratschlagen, wo wir uns niederlassen für die Nacht. Als wir ein Pärchen angesprochen haben, ob Es in der Nähe einen guten Platz zum Schlafen gibt, haben die beiden auf einen Spielplatz mit Teich hinter dem Feldweg gezeigt. Nach Kurzem überlegen und nochmaliger Nachfrage bei den auf dem Platz herumlungernden Jugendlichen sind wir zu dem Entschluss gekommen das es wohl OK ist wenn wir eine Nacht dort bleiben.

Nach dem aufbauen der Zelte, einer ausgedehnten Schaukel Session auf der Riesen Schaukel und einem eher bescheidenen Fertiggericht von Kocher sind wir in unsere Zelte gekrochen und haben auf das angekündigte Gewitter gewartet.
Das Gewitter blieb aus aber es hat angefangen zu regnen und ich wurde in meinem neuen Zelt unangenehm davon überrascht … das Zeltdach wölbte sich nach innen und ich bemerkte einen kleinen See, der sich auf dem Zeltdach bildete. Damit mein Schlafsack und ich trocken blieben, musste ich das Wasser immer wieder von unten wegdrücken! Etwas beunruhigt bin ich mit Markus am Nächsten morgen aufgebrochen Richtung Tallinn. Das Wetter war kräftezehrend, es nieselte immer wieder, war kalt und wir hatten Gegenwind.

Angetrieben von unserer Motivations Musik haben wir Tallinn gegen 18:00 erreicht und konnten unser Zimmer beziehen. Die Sonne war auch wieder da und ich konnte noch mal nach dem Zelt sehen. Ich musste es ja eh zum Trocknen aufbauen. Markus geschulter Blick als Ingenieur und mein Test erwiesen sich als nicht zufriedenstellend. Die gut gemeinte E-Mail des von mir kontaktierten Herstellers half leider auch nicht. Die in der E-Mail enthaltene, Aufbau und abspann Anleitung hatte ich die letzten Wochen schon befolgt. Hätte es nur schon früher einmal so geregnet dachte ich mir, dann hätte ich mehr Zeit mir eine Lösung für Skandinavien zu überlegen. Eine finale Antwort des Herstellers steht noch aus.

Wir haben die Zeltproblematik beiseitegeschoben und uns Tallinn zugewandt, eine wunderschöne Stadt! Nach Hamburger und Bier haben wir zwei einheimische kennengelernt die uns die Stadt gezeigt haben. Einer der beiden hat Architektur studiert und konnte uns mit einer witzigen Art viele interessante Orte zeigen. Leider hat sich im Laufe des Abends gezeigt, dass wir nicht so gut harmonieren, eigentlich waren die beiden ziemliche Idioten. Sie waren nicht ungebildet aber wissen wohl leider nicht so viel anzufangen mit Ihrer Zeit außer Alkohol und Drogen.

Nachdem einer der beiden seine rassistischen Ansichten kundgetan hat und der andere ganz offensichtlich nach einem Gang zum WC die Nase mit einer uns unbekannten Substanz gepudert hat, haben Markus und ich unser Bier ausgetrunken und uns freundlich von den beiden verabschiedet. Es wäre schön, wenn die beiden Ihre Ansichten mal überdenken würden, am Anfang waren sie uns ganz sympathisch.
Heute werden Lou und Anouk in Tallinn eintreffen und mit uns zusammen Speisen, ehe Markus und ich morgen das Kapitel Baltikum abschließen und nach Helsinki übersetzten.
Markus wird mich am Freitag verlassen und ich werde allein den Weg Richtung Norden einschlagen. Hoffentlich findet sich eine Lösung mit dem Zelt.
scheidungsgrund mit m: musikgeschmack oder markus
Da wir eine Zugewinngemeinschaft waren, teilen wir gerecht! Ihr den Regen wir die Sonne.